COVIDiary: Niko

„Ich vermisse die Freiheit, machen und tun zu können, was ich will.“

April 2020

Ich bin Niko, 34 Jahre alt, und wohne in Bamberg. Es ist momentan anstrengend, aber auch teilweise schön. Einerseits habe ich eine kleine Familie mit einer kleinen Tochter. Sie kann zurzeit nicht in die Krippe gehen, sich nicht mit Kindern treffen, nicht auf den Spielplatz gehen. Ich muss trotzdem arbeiten, meine Frau auch. Somit haben wir jetzt Arbeit plus Kinderbetreuung. Das ist anstrengender als sonst. Aber es ist es auch schön: Meine Frau macht jetzt auch Home Office. Das heißt, wir alle drei sind im Tagesablauf viel zusammen.
Angst habe ich nicht vor dem Coronavirus, aber ich respektiere es. Ich denke an Verwandte: meinen Vater, meine Eltern, meine Oma. Die gehören alle zu den Risikogruppen. Ich mache mir Gedanken, dass die auch gut aufpassen. Mein Nachbar, der auf der Corona-Intensivstation im Krankenhaus hier arbeitet, erzählte kürzlich, dass sie auch Patienten in meinem Alter – keine Vorerkrankungen! – versorgen, die sehr schwere Verläufe hätten. Also das heißt für mich, dass man es auf jeden Fall ernst nehmen sollte.

Ich vermisse die Freiheit, machen und tun zu können, was ich will. Freiheit bedeutet nicht, dass man diese die ganze Zeit komplett ausschöpft, sondern, dass man es halt kann, wenn man Bock drauf hat. Oder das man sich denkt, okay ich könnte jetzt was unternehmen, wenn ich wollte. Es fehlt mir, mich in der Stadt mal wieder mit jemandem außerhalb meines eigenen Haushalts zu treffen.

Eigentlich hatten meine Frau und ich für diesen Monat geplant, ihre Mutter in der Reha besuchen zu fahren. Jetzt findet nicht mal die Reha statt. Dadurch, dass man keine Möglichkeit hat, sich mit jemandem zu treffen, macht man sich auch weniger Gedanken, etwas zu verpassen. Solche Sorgen werden einem durch den Lockdown komplett genommen. Das fällt jetzt natürlich flach, weil einfach nichts geht. Einen gediegenen Abend zuhause bereut man zurzeit sicherlich nicht. Das Erste, was wir machen werden, wenn es wieder möglich sein sollte, ist: die Eltern besuchen – meine Eltern besuchen und die Eltern meiner Frau besuchen.

 


English translation

„I miss the freedom to do what I want.“

April 2020

I’m Niko, 34, and I live in Bamberg. It is exhausting at the moment, but also pleasant in parts. On the one hand, I have a small family with a small daughter. Currently she can’t go to the pre-kindergarten, can’t meet with children, can’t go to the playground. I still have to work, my wife too. Thus, we have work plus childcare. It is more demanding than usually. But it’s also nice: My wife is now also doing home office. That means that all three of us are together a lot during the day.

I’m not afraid of the corona virus, but I respect it. I think of relatives: my father, my parents, my grandma. They all belong to the risk groups. I’m worried that they take care, too. My neighbor, who works in the corona Intensive Care Unit in the hospital here, recently said to me that they cared and supplied patients in my age who had no pre-existing illness, but very difficult healing processes. For me that means that you should definitely take corona virus seriously.

I miss the freedom to do what I want. Freedom does not mean that you use it all the time, but that you can do, when you want to do. Or that you think: Okay, I could do something now if I wanted to. I miss meeting someone outside of my own household.

Actually, my wife and I had planned to visit her mother in rehab this month. Now the rehab doesn’t even take place. By not having the opportunity to meet someone, you are less worried about missing something. Such worries are completely eliminated by the lockdown. Of course, they fall through now, when things are over and done with. You certainly don’t regret a solid evening at home at the moment. The first thing we will do if it is possible again is to visit the parents – visiting my parents and visiting my wife’s parents.