COVIDiary: Manuel

„So langsam wäre es nicht schlecht, wenn wir wieder zurück zur Präsenzlehre kommen würden.“

Mai 2020

Ich bin Manuel, 31 Jahre alt, und komme aus Bamberg. Aber ursprünglich komme ich aus dem Sauerland. Ich bin Politikwissenschaftler und arbeite an der Universität Bamberg und stelle gerade meine Dissertation fertig.

Die Arbeit an der Uni hat sich komplett verändert. Keine Präsenzlehre mehr. Am Anfang herrschte viel Euphorie: Online-Lehrveranstaltungen fanden die meisten gar nicht so schlecht. Irgendwann ist die Stimmung aber bei den Studenten gekippt – wie auch bei mir. Technisch läuft alles langsamer ab im Vergleich zur Präsenzlehre. Die Leute stellen ihre Kamera aus, es ist anonym. Man hat Schwierigkeiten, Studierende direkt anzusprechen. Es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder zurück zur klassischen Präsenzlehre kommen. Wenn man sich privat mit Studenten unterhält, sagen viele: Ja, so zu studieren sei nicht das Wahre.

Meine Doktorarbeit hat Corona dadurch leicht eingeschränkt, dass alle Konferenzen leider ausgefallen sind. Ich wollte nochmal mein Paper vorstellen, um von anderen Wissenschaftlern hilfreiches Feedback und Input zu bekommen. Ich hätte die Konferenzen sehr gerne besucht. Privat hingegen, gerade am Anfang, wo man sozusagen zuhause eingesperrt war, das war etwas schwieriger. Es hat sich gebessert, als ich wieder ins Büro gegangen und auf Kollegen getroffen bin. Ich war etwa sechs Wochen während des Lockdowns alleine zuhause. Ich glaube, dass diejenigen, die jetzt noch Home Office machen und alleine wohnen, für die ist es noch deutlich schwieriger.

Vor dem Virus selber habe ich keine große Angst. Meine Eltern gehören auch nicht zu einer Risikogruppe. Und ich kenne, um ehrlich zu sein, auch niemanden, der oder die Corona hatte. Wovor ich allerdings so langsam ein bisschen Angst habe, sind zwei Sachen: Einmal die gesellschaftlichen Auswirkungen. Es sind deutlich weniger Jobs, die ausgeschrieben sind. Oft herrscht Einstellungsstopp. Als Sozialwissenschaftler macht man sich da mittelfristig vielleicht mehr Sorgen als ein Elektrotechniker oder so. Und, zweitens, man kann nicht absehen, wann wieder Normalität herrscht.

Soziale Kontakte, die haben mir schon am meisten gefehlt. Gerade abends oder am Wochenende. An dieser Zeit des Lockdowns hat mir eigentlich nichts gefallen. Ich könnte jetzt sagen, ich hatte mehr Zeit, um über mich nachzudenken, aber es wäre gelogen. Das erste große Ding, was ich für die Zukunft wieder plane, ist Reisen. Eine Woche Rom. Im Oktober. Wenn es keine zweite Welle gibt. Ansonsten: Schauen wir mal, wie es sich entwickelt.


English translation

„I would appreciate, if we could return to classical teaching.“

May 2020

I am Manuel, 31 years old and live in Bamberg. But originally I come from the Sauerland. I am a political scientist working at the University of Bamberg.

Work at university has changed completely. No more classroom teaching. In the beginning there was a lot of euphoria: Online courses, most people thought, weren’t too bad. At some point, however, the mood among students changed – as it did for me, too. Everything is slowed down compared to classroom teaching. People turn off their cameras, it’s anonymous. It is difficult to address students directly. I would appreciate, if we could return to classical teaching. When you talk privately with students, many say: Yes, studying like this is not exactly brilliant. One limitation for my doctoral thesis was that conferences were canceled. I wanted to present my scientific paper. I would have loved to attend the conferences to get helpful feedback and input from other scientists.

On the other hand, it was more difficult privately, especially at the beginning when I felt literally locked up at home. It improved after I went back to the office and met colleagues. I was alone at home for about six weeks. I believe that it is even more difficult for those who still do home office and live alone.

I’m not too afraid of corona virus. And, to be honest, I don’t know anyone who has had the virus. What I’m starting to get a little scared of are two things: First, the social impact. There are significantly fewer jobs. In many cases, there is a hiring freeze. As a social scientist, you might be more worried in the medium term than an electrical engineer or something. And, secondly, you cannot predict when normality will return.

I missed social contacts the most. Especially in the evening or on the weekend. I didn’t really like anything during lockdown. I could say I had more time to think about myself, but it would be a lie. The first thing, I plan for future, is traveling. A week in Rome. In October. If there is no second wave. Let’s see how it develops.