COVIDiary: Alina

„Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, die Arbeitslosengeldanträge werden immer mehr.“

Mai 2020

Ich bin Alina, 27 Jahre alt, und wohne in Berlin. Die Pandemie hat in meinem Leben einiges verändert. Ich war vorher beruflich häufig als Dozentin unterwegs. Ich gab Seminare. Jeden Tag viel Kontakt mit vielen Leuten. Seit dem Lockdown hat sich das alles von zuhause aus abgespielt.

Anfangs dachte ich: Ach! In vier Wochen ist wieder alles vorbei. Dann mussten wir uns alle sortieren. Ich arbeite für die Bundesagentur für Arbeit. Es zeichnete sich ab, dass da eine ganz große Aufgabe auf uns zukommt. Plötzlich mussten sich die Beschäftigten der Bundesagentur, viele meiner Kollegen, auf ganz andere Themen einschießen. Weil sich der Fokus verlagert hat. Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, die Arbeitslosengeldanträge werden immer mehr. Da brauchen wir mehr Personal – das wir irgendwann bekamen. Seitdem stehe ich jeden Morgen auf, gehe an den PC, und gebe Webinare und schule das neue Personal. Und so wird das wahrscheinlich noch mindestens bis Ende August laufen.

Ich persönlich habe Respekt vor dem Virus, aber keine Angst. Ich habe Großeltern, die alt sind. Das macht mir Sorgen. Man weiß einfach nicht, wen wird das Virus treffen. Am meisten vermisse ich meine Familie. Sie leben im Ruhrgebiet. Mir hat das Zurückfahren durch den Lockdown gut getan. Früher hatten vier Stunden Schlaf für mich ausgereicht. Ich hatte eine Menge Termine, nach der Arbeit noch Sport, bin oft hin und her gependelt. Der Terminkalender: immer voll. Ich war mit meinem Kopf bei vielen Dingen. Aber nicht bei mir selbst. Oder der Beziehung zu meinem Freund. Uns hat das als Paar gut getan.

Wenn die Krise bewältigt ist, möchte ich die Reisefreiheit wieder nutzen. Es geht mir nicht darum, ans andere Ende der Welt zu reisen. Sondern allein die Reisefreiheit in hierzulande zu nutzen. Ohne sich immer Gedanken zu machen. Darf ich das jetzt? Darf ich das nicht? Einfach wieder frei fühlen. Mit dem Rad oder Auto irgendwo hinfahren. Irgendwo anhalten. Vielleicht sagen: Komm‘, hier ist’s schön. Hier bleiben wir. Mit dem Gedanken: Ich darf das auch.


English translation

„Short-time work benefits, bankruptcy benefits for employees of bankrupted companies as well as unemployment benefit applications are increasing.“

May 2020

I am Alina, 27 years old and I live in Berlin. The pandemic has changed a lot in my life. Before that, I was often on the road as a lecturer. I gave seminars. A lot of contact with a lot of people every day. Since the lockdown started in March, everything has happened from home.


First I thought: In four weeks everything will be over again. Then we all had to rearrange. I work for the Federal Employment Agency. It became apparent that we were facing a very big task. Suddenly, our employees, many of my colleagues, had to adjust on several topics. Because the focus has shifted. Short-time work benefits, bankruptcy benefits for employees of bankrupted companies as well as unemployment benefit applications are increasing. We need more staff there – which we got at some point. Since then, I get up every morning, go to the PC, give webinars and train the new staff. That’s probably how it will go at least until the end of August.


I personally respect the virus, but I’m not afraid. I have grandparents who are old. That worries me. You just don’t know who the virus will hit. I miss my family the most. They live in the Ruhr Valley. It was good for me to gear down through the lockdown. In the past, four hours of sleep was enough for me. I had a lot of appointments, sports after work, and often commuted back and forth. My calendar: always full. I was with my head on many things. But not with myself. Or the relationship with my partner in life. It was good for us as a couple.


When the crisis is over, I want to use freedom of travel again. I am not interested in traveling to the other end of the world. But to use the freedom of travel again in the country. Without ever worrying. Am I allowed to do that now? Am I not allowed to? Just feeling free again. For instance to go anywhere by bike or car. Stop somewhere. Maybe saying: Come on, it’s nice here. We stay here. With the thought: We are rightful to do that.