Das neue Birkenwäldchen (Frankfurt an der Oder, 2015)

Stadtumbau Ost
Stadtteil „Neues Birkenwäldchen“, Frankfurt an der Oder, im Juni 2015. Foto: Alexander Roßbach ©

Die Treue zu den eigenen vier Wänden nimmt zu, je länger in ihnen gelebt wird. Eine Wohnung ist dann oft mehr als nur ein Wohnquartier; sie dient als Refugium, als Ruhe- und Rückzugsort. Dieses Wurzelschlagen ist dort ein Problem, wo Einwohnerverluste hoch sind. Denn im ländlichen Bereich sowie in zahlreichen Städten der Peripherie stehen in den 2000er Jahren immer mehr Wohnungen leer. Die Wohnungsmärkte von Großstädten werden dafür immer härter umkämpft. Neu-Beresinchen, ein im Südwesten gelegenener Bezirk in Frankfurt an der Oder, veränderte sich durch Einwohnerverluste überaus anschaulich. Beresinchen, so das sorbische Wort für Birkenwäldchen, macht seinem Namen heute mehr Ehre als jemals zuvor.

Das auf einer plateauähnlichen Erhöhung gelegenene Neu-Beresinchen wurde in Frankfurt an der Oder von 1977 bis Ende der 1980er Jahre errichtet. Die rund 8.500 Wohneinheiten, damals modern und begehrt, boten Raum für etwa 24.000 Menschen – ein Viertel der damaligen Stadtbevölkerung. Der ökonomische Wandel, der nach der Überwindung der deutsch-deutschen Teilung (1990) einsetzte, degenerierte die bis dahin betriebene Wirtschaftsstruktur leider nachhaltig. Die neuen politischen und wirtschaftlichen Freiheiten sowie der demografische Wandel führten zu stetigen Einwohnerverlusten in der Oderstadt, die 2008 rund 61.000 Personen zählte. Zum Vergleich: Um 1990 lebten rund 110.000 Menschen in Frankfurt an der Oder.

Stadtteil Neuberesinchen, Frankfurt an der Oder, im Juli 2006.
Neu-Beresinchen, 2007.

2007 umschrieben Stadtplaner die städtebauliche Situation von Neu-Beresinchen als „durch eine hohe Bebauungsdichte geprägt“. Darüber hinaus gab es „inzwischen einen Sanierungsrückstau […], der zu deutlich geminderter Wohnqualität und starken Imageverlusten führt“ (vgl. ITK, Stand: 12/2007; zuletzt abgerufen: 15.11.2015). Mehr noch: Der Leerstand in den maroden Plattenbauten ist für Spaziergänger nicht mehr zu übersehen. Das in einer sehr langen Stadtratssitzung beschlossene Stadtumbau-Ost-Konzept für Frankfurt an der Oder fixierte den Abriss zahlreicher Wohneinheiten. Viele Einwohner verloren dadurch ihre Refugien.

Stadtumbau Ost
Protest gegen Stadtumbaupläne vor dem Rathaus in Frankfurt an der Oder, 2007.
Stadtumbau Ost
Kurz vor „Rückbau“: Letzter Blick in leerstehende P-Wohnungen, Südring, Frankfurt an der Oder, 2007.
Stadtumbau Ost
Blick in die Gesichter der Demonstranten gegen die Stadtumbau-läne vor dem Rathaus in Frankfurt an der Oder, 2007.
Stadtumbau Ost
Neu-Beresinchen, 2015.

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